DIARY

Eintrag Nr. 14

Ausflug nach Albany

 

Wir hatten zum zweiten Mal unsere vier freien Tage und keine Ahnung, was wir tun sollten.

Zudem hatte Walter einen Arzttermin in Bunbury am Mittwochmorgen, so dass es sich auch nicht wirklich lohnte, irgendwo hin zu fahren. Und außerdem hatten wir auch schon alles in der Näheren Umgebung gesehen. So blieben wir Montag zu Hause, mit allen Jalousien geschlossen, damit uns bloß keiner sieht oder anspricht.

Wir schlichen uns regelrecht aus dem Haus um Einkaufen zu gehen, dass war doch recht frustrierend.

Dienstag kam dann zum Glück eine SMS: Walters Freund in Albany lud uns ein, zwei Tage auf seinem Luxusanwesen zu verbringen. OK, wir mussten zwar Mittwochmorgen in Bunbury sein, dann ungefähr eine Strecke wie von Bremen bis nach Berlin fahren und konnten auch nur eine Nacht bleiben, weil wir Freitagmorgen  schon wieder arbeiten mussten – aber egal!

Die Strecke nach Albany war so ziemlich die abwechslungsreichste, die ich hier gesehen habe.

Sonst ist ja immer nur alles Wald, aber diesmal kamen wir an riesigen Kohleabbaufeldern vorbei. Als wir an einem gigantischen Kohlelaster vorbeifuhren, gab es für Walter kein halten mehr. Er drehte auf der Stelle um und dicht an das riesige Gefährt heran. Zeit für eine Fotosession. Natürlich. Ich habe mich allerdings geweigert, unter das Fahrzeug zu laufen. Platz wäre genug gewesen. Alleine die Reifen waren riesig!

Wieder ein paar Kilometer weiter änderte sich die Landschaft erneut und die Straße war von gelb blühenden Feldern gesäumt.

Ein bisschen später hielten wir erneut. Wir überquerten die Straße, klettern die Böschung hoch, über einen Zaun und konnten eine endlose Kohlelandschaft überblicken.

Am Nachmittag erreichten wir Albany. Das war ein Städtchen nach meinem Geschmack. Endlich mal wieder so etwas wie ein richtiges Zentrum mit vielen Geschäften, einem „alten“ Rathaus an  einer tollen Bucht. In dem Moment, als wir aus dem Auto ausstiegen, wurde es jedoch so kalt und windig, dass wir einen Stadtspaziergang ganz schnell beendeten. Dann doch lieber in den nächsten windgeschützten Supermarkt und Verpflegung für den Abend besorgt.

Das Anwesen selbst lag rund 20 Kilometer nördlich. Wir verkürzten den Weg mit Käse, Kräckern und einer Flasche Sekt.

Erst auf den letzten Metern wurde mir klar, dass wir die Villa für uns alleine haben würden. Ich hatte irgendwie gedacht, dass der „Hotelbetrieb“ noch laufen würde.

Stonebarn war mir ja immer schon groß vorgekommen, aber der Weg  hier von der Einfahrt bis zum Haus hatte doch noch einmal andere Ausmaße. Wir kamen an einem See vorbei, dann an einer Landebahn für kleine Flugzeuge, an einer „Fischerhütte“ für den früheren Verwalter und dann auf dem letzen Hügel vor den Klippen lag dann das Haus selbst.

Es war ein bisschen wie vielleicht eine römische Villa um einen überdachten Innenhof, in dem es einen Wintergarten  und ein beheiztes Schwimmbad gab. Der Flur war mit einem dicken Teppich belegt und die Räume zur linken Seite hatten riesige Fenster mit Blick auf den Ozean. Im Musikzimmer hing über dem Klavier ein Autogramm vom bisher berühmtesten Gast,  Lady Gaga.

Es gab sogar ein Heimkino, das wir nur leider nicht zum Laufen bekommen haben.

Also wirklich ein nettes kleines Häuschen mit viel Kunst an den Wänden.

Wir gingen am Strand spazieren, doch das Wetter war nicht so gut. Da war es netter, im Spielzimmer zu sitzen und das Meer von dort zu beobachten.

Da Walter nichts kochen wollte (bzw. nichts dreckig machen wollte) aßen wir Sandwiches.

Sein Vorschlag, besser auch nicht zu duschen, weil wir ja nur eine Nacht bleiben wollten, und die Putzleute dann ja alles sauber machen müssten, ging mir dann aber zu weit!

Schlimm genug, dass er mir das Baden im Pool vermiest hat mit den Worten: geh da bloß nicht rein, warme Pools sind voller Bakterien. JA, danke! Argh! Ich hätte gerne meine Familie dabei gehabt. Die hätten sich über einen Pool gefreut und bestimmt auch ein Essen im Wintergarten zu schätzen gewusst (anstatt in der Küche im Stehen zu frühstücken)…

Naja, ich kann mich schlecht beschweren.

Außer über das Wetter! Es regnete die ganze Zeit. Am nächsten Tag hätten wir Kajak fahren können oder Albany erkunden oder einfach am Strand sein können, aber esgoss einfach die ganze Zeit.

So fuhren wir am nächsten Mittag wieder zurück nach Dunsborough.

Es war trotzdem nett, mal wieder rauszukommen.

Am nächsten Tag reichten wir unsere Kündigung ein...

Eintrag Nr 13

Mal wieder nach Stonebarn und Whalewatching

 

Nach 4 Wochen ununterbrochener Arbeit (jawohl, 24 Stunden pro Tag) hatten wir uns unsere ersten vier freien Tage verdient!

Nichts wie raus aus Dunsborough und ab nach Augusta. Dort hatten wir uns zu einer Wal-Beobachtungstour angemeldet. Eigentlich wollten wir gleich morgens um 7.00 starten, also lange bevor jemand die Rezeption öffnen würde, aber Walter wollte gerne ein Paket mit warmen Wintersachen vom Postamt abholen. So wurde das geplante Frühstück in Margaret River gestrichen und ich hatte so meine Zweifel, ob wir rechtzeitig um 10.00 Uhr in Augusta ankommen würden.

Um 8.30 stürmten wir das Postamt und zwei Minuten später gaben wir Vollgas Richtung Süden. Dann fing es an zu regnen und sehr ungemütlich zu werden. Gegen 9.00 Uhr bekamen wir dann eine SMS, dass die Waltour wegen dem schlechten Wetter abgesagt wurde. Ich war ganz schön enttäuscht.

 

 

Mustertext

So fuhren wir gemächlich nach Margaret River um Kaffee zu trinken und ich konnte noch Bewerbungsunterlagen für eine Künstlerfortbildung ausdrucken. Danach fuhren wir weiter nach Augusta. Ich sollte es mittlerweile besser wissen, aber wenn ich von einer Hafenstadt höre, dann denke ich tatsächlich an eine Stadt am Meer mit einem befestigten Hafen, vielleicht mit einer Bronzestatue, die an die Seeleute erinnert. Oder wenigstens einen kleinen Hafen wie in Vegesack. Aber so etwas gibt es hier natürlich nicht. Augusta besteht  nur aus ein paar Häusern an einer Hauptstraße. Zum Glück kannte Walter eine Stelle an den Klippen, wo man parken konnte und einen tollen Blick auf die Bucht hatte. Es regnete zwar immer noch, aber schon nach kurzer Zeit, konnten wir einige Wale vorbeischwimmen sehen! Das war toll! Alle paar Minuten tauchte eine Rückenflosse aus dem Wasser auf. Es waren bestimmt 6 oder 7 Wale, die dort in der Bucht schwammen.

Nach 20 Minuten intensiver Beobachtungen setzten wir unseren weg nach Stonebarn fort.

Dort sah alles ganz anders aus. Das Laub der Eichenbäume und Haselsträuche war herbstlich bunt und der See hinterm Haus führte nur wenig Wasser. Das Haus selbst war eiskalt und die Besitzer hatten die Möbel umgeräumt und die ganzen getrockneten Blumen entsorgt, so dass die Atmosphäre recht abweisend war.

Im Kühlschrank warteten jedoch zwei Flaschen Sekt und nach 10 Minuten vor dem Heizlüfter wurde es gemütlicher. Zum Abendessen gab es dann Rührei mit frischen Stonebarn-Trüffeln.

Wir verbrachten zwei Tage in Stonebarn und machten  kleinere Ausflüge nach Windy Harbour , Manjimup und Pemberton, aber irgendwie war das alles nicht so spannend. Das hatten wir alles schon im Januar gemacht. Ich war froh, als wir wieder zurück fuhren.

Glücklicherweise fand an dem Tag die Bootstour statt und wir konnten doch noch Wale von Nahem beobachten.Auf einer Wiese am Steg (soviel zum Thema Hafen) standen zwei Schilder, die auf die Tour hinwiesen, und es warteten dort schon einige Leute. Wir fuhren mit einem kleinen Boot aufs Wasser raus, wo ein größeres Boot wartete. Der Skipper erzählte uns, es wäre keine Frage, ob wir Wale sehen würden, sondern wie viele.

Drei Tiere schwammen ganz dicht am Boot vorbei, gefolgt von fünf Delfinen. Dann schwammen die Wale um das Boot herum, drehten sich, zeigten ihren Bauch und die riesigen, von Seepocken bewachsenen Schwanzflossen. Die Delfine schwammen vor dem Boot hin und her und auf einmal schien sogar die Sonne.

Tja, auf die Fotos müsst ihr leider warten, bis der Film entwickelt ist. Es waren jedenfalls tolle drei Stunden auf dem Wasser.

Zur Stärkung gab es danach Fish & Chips. Da wir nicht zu früh wieder im Resort sein wollten, fuhren wir noch nach Busselton und machten einen Spaziergang auf „dem längsten Steg der Welt“, der knapp 2 Kilometer ins Meer hinein ragt…

Am Anfang ließen sie jedoch auf sich warten. Der Himmel war grau, dass Wasser unruhig, doch plötzlich sah ich die erste Rückenflosse aus den Wellen durchstoßen. Das Boot war so aufgebaut, dass man außen ganz umzu stehen konnte und so bewegten wir uns immer auf der Suche nach dem besten Aussichtspunkt. Schon bald sahen wir mehrere Tiere und das Boot schwamm langsam mit den Walen mit. Wir knipsten sehr viel. Walter wollte ein Bild mit mir und den Walen im Hintergrund machen, war aber zu langsam. Plötzlich war meine Batterie vom Fotoapparat alle. Das war ärgerlich, aber ich hatte zum Glück noch eine analoge Spiegelreflexkamera dabei. Kurze Zeit später gab auch Walters Fotoapparat den Geist auf... Darauf hatten die Wale offensichtlich gewartet.

Eintrag Nr. 12

Wein- und Verköstigungstour durch Margret River

 

„Ich hoffe, die haben auch Glühwein im Angebot“, war mein erster Gedanke, als ich morgen aus dem Fenster sah. Es goss in Strömen. Allein beim Gedanken daran, das Haus zu verlassen, bekam ich eine Gänsehaut. Südaustralien kann ganz schön kalt sein.

Aber Bushtuckertours hatten sich nun schon bereiterklärt, mich auf einen kostenlosen „Familiarizing“ Trip mitzunehmen und das wollte ich mir nicht entgehen lassen.

Um 10.30 fuhr der kleine Bus auf den Parkplatz vor der Rezeption. Busfahrer Peter begrüßte mich freundlich und machte mich mit den anderen Teilnehmern bekannt: vier junge Touristinnen aus Perth. Während meine Laune noch etwas im Keller war, schienen sich die anderen Damen gut zu amüsieren und fragten ausgiebig, welche Weingüter wir besuchen würden und wie viel Zeit wir dort verbringen würden. Außerdem waren sie aus irgendeinem Grund heiß auf Oliven. Unsere Gruppe war aber noch nicht vollständig. Ein neuseeländisches Pärchen stieg im Seashells Hotel Yallingup zu. Es war für mich interessant das Hotel zu sehen, da wir ja in Perth im Seashells Hotel Scarborough  gearbeitet und gewohnt hatten und wir auch schon im Mandurah Seashells gewesen waren.

So ging es denn auch weiter, denn nachdem wir noch ein englisch australisches Pärchen samt Schwiegereltern eingesammelt hatten, steuerten wir für die erste Weinprobe ein Hotel am Smith’s Beach an. Und genau in diesem Hotel hatten wir im Januar übernachtet, als Walter sich dort für einen Job beworben hatte.

Nun ja, also ein richtiges Weingut sieht für mich anders aus, aber die Weinprobe war recht großzügig und informativ. Wir lernten, das Weinglas richtig zu halten und rumzuschwenken und wie man professionell am Wein schnuppert.

Die Weinprobe fand im stehen statt und es gab vom Busfahrer mitgebrachten Käse und Oliven aus dem Kühlraum. Ganz frisch eingetroffen war ein besonderer Wein des Hauses („schwarzes Monster“ oder so ähnlich) und wir waren die ersten, die daran nippen durften.

Die Weine waren allesamt ganz gut und sehr fruchtig. Besonders ein Weißwein mit Ananasgeschmack ist mir im Gedächtnis geblieben, doch es ist schwer sich zu entscheiden, wenn man nicht weiß, was noch alles bei den nächsten Stationen wartet. Die vier Mädels aus Perth kauften jedenfalls erst mal Tütenweise Oliven…

Die Stimmung war nach diesem ersten Stopp schon gehobener und es hatte auch aufgehört zu regnen. Die nächste Station war das Silkwood Weingut, welches in Australien sehr bekannt ist. Auf dem Anwesen stand ein kleines Verkaufshäuschen mit einem wärmenden Feuer im Ofen und vielen Plakaten und Gemälden an den Wänden. Dennoch war die Atmosphäre nicht so richtig gemütlich, was zum Teil auch an der Verkäuferin lag.

Egal, wir probierten brav die Weine und unterhielten uns miteinander. Der Fahrer hatte uns im Bus auf die Möglichkeit aufmerksam gemacht, gegen Zahlung von $3.00 einen ganz besonderen Portwein (der nicht mehr Portwein genannt werden darf, weil er nicht aus Porto stammt) zu probieren. Dieser Wein wird leider nicht mehr produziert und die letzten Flaschen werden zu einem Stückpreis von $90.00 verkauft. Er war wirklich sehr lecker; sehr süß und schmeckte nach puren Rosinen. Viele kauften eine Flasche von der etwas günstigeren Version, welche es kostenlos zu probieren gab. Ich entschied mich für eine Flasche frischen Weißweines.

Langsam wurde es Zeit für’s Mittagessen, und so fuhren wir zum Weingut „Knotting Hill“. Dort konnten wir in recht schneller Art und Weise noch ein paar Weine probieren, bevor es das Buschtucker Food gab. Ich musste ein wenig schmunzeln, denn bisher gab es bei jeder Tour, an der ich teilgenommen habe, mehr oder weniger dieses Mittagessen.

Die Busfahrer haben große Kühltaschen dabei und es gibt immer Toastbrot, Salat, Fleisch und Käse aus Tupperdosen zum Selberbelegen. Besonders war diesmal jedoch das Angebot an australischen Spezialitäten (Bushtucker): es gab Würmer („Huhu grubs“), geräuchertes Krokodil, Busholiven und viele leckere würzige Chutneys.

Ich kaufte ein Weinpaket mit rotem, weißen und Dessertwein und des Busfahrer schrieb meinen Namen auf den Karton und brachte ihn in den Bus. Sehr netter Service.

Das Essen war reichlich, die Würmer mehlig und das Krokodil war so geräuchert, dass es praktisch alles hätte sein können. Nach dem Essen machten wir noch ein paar Fotos am See (Alle Weingüter haben hier einen großen See auf dem Gelände) und brachen frisch gestärkt zur Likörverköstigung auf.

Wenn Alkohol in Australien nicht so verdammt teuer wäre, hätte ich den ganzen Laden gekauft. Es gab Butterskotch Likör, Erdbeer-, Sahne-, Schokolade-, Karamell- und ich weiß nicht was noch alles für Likör und wir konnten viel davon probieren. Kurze oder „Shots“ waren aus irgendwelchen Gründen nicht erlaubt, weshalb die Bedienung uns erst einen wundeschönen Butterskotch- Schokoladen-Sahne-Kurzen einschänkte (sie Foto) und dann alles mit einem Holzstäbchen verrührte, damit es zu einem „Cocktail“ wurde.

Naja, die ganzen Alkoholgesetze hier finde ich sowieso äußerst befremdlich. Aber der Cocktail war himmlisch lecker. Ohne vorherige Mahlzeit währen wir nach diesem Aufenthalt völlig fertig gewesen, doch so waren alle in guter Stimmung.

Nächster Halt war dann an der Margret River Käse Fabrik, aber ehrlich gesagt ist die Auswahl und der Geschmack überhaupt nicht mit Europäischem Standart zu vergleichen. Samstags auf dem Domshof ist man jedenfalls besser bedient. Dieser Meinung schienen alle zu sein und so brachen wir schon nach fünf Minuten zur Schokoladenfabrik auf.

Unser Zimmermädchen hatte mir am Vortag erzählt, dass die Fabrik die Schokolade aus Belgien importiert und dann zu eigenen Produkten weiterverarbeitet. Dementsprechend gab es dann auch nicht wirklich was von der Produktion zu sehen, sondern es handelte sich um eine riesige Verkaufsausstellung. Man konnte Schokoladendrops probieren und die waren wirklich sehr lecker. So war dieser Stopp einerseits ganz nett aber für verwöhnte Europäer wie mich nicht sooooo aufregend. Ich mochte die vielen Papageien, die Draußen auf dem Gelände herumflogen.

 

Letzter Halt war bei der Duckstein Brauerei. Hier konnte man für $10.00 verschiedene Biersorten probieren. Nach den vielen süßen Sachen passte das Bier kaum noch in die Mägen.

Dann wurde es auch schon wieder Zeit, zurück nach Dunsborough zu fahren und die erste Flasche des gekauften Weines zu köpfen.

Fazit: es war ein netter Tag, der Fahrer war sehr informativ und die Truppe ganz nett, aber eine Weinprobe bei einem deutschen Weinbauern (wie von meiner lieben Inga berichtet) stelle ich mir doch etwas gemütlicher vor…

 

Eintrag Nr. 11

Dunsborough

Die letzen sechs Wochen seit wir Darwin verlassen haben waren wir in Perth am Strand von Scarborough und haben nicht viel getan.Nun sind wir  wieder in Südwest Australien. Eigentlich wollte ich hier gar nicht hin, weil wir die Gegend schon kennen. Ich muss aber sagen, dass der Winter hier schon ganz schön ist. Überall blühen Blumen und Bäume, der Rasen ist strahlend grün und es gibt Unmengen von Vögeln. Demnächst soll man sogar Wale vom Strand aus beobachten können.

Die Ferienanlage oder „Resort“ wie es hier so schön heißt, ist ganz angenehm. Es gibt 3*Cottages und Chalets für Familien und 4* Villen und Apartments mit Whirlpools für den gehobenen Geschmack.

 

Unsere „Hausmeisterwohnung“ befindet sich über der Rezeption. Wir haben einen großen Wohn- und Essbereich, zwei Schlafzimmer und zwei Badezimmer. Unsere Wanne whirlt zwar nicht, aber ich freue mich sehr, regelmäßig baden zu können J

Die Straße runter nach rechts sind es ca. 200 Meter zum Strand. Die Straße runter nach links sind es 100 Meter bis ins Stadtzentrum. Die Lage ist also ganz angenehm, und anders als bei unseren vorherigen Wohnungen fühlen wir uns hier nicht so eingekapselt.

Nach sechs Wochen Ferien (bzw. Zeit zum Malen) war der Arbeitseinstig recht heftig. Die Besitzer sind aus verschiedenen Gründen sehr gestresst und unglaublich schlecht darin, Abläufe zu erklären. Gleichzeitig wird erwartet, dass wir nach der ersten diffusen Erklärung alles Wissen und umsetzen können. Bereits ab der zweiten Nacht hatten wir auch die Nachtschicht. Wir sind also tagsüber in der Rezeption und danach eben auch für alles zuständig, was so anfällt. Man könnte auch sagen wir arbeiten 24 Stunden am Tag und das 4 Wochen lang, bis wir dann ganze 4 Tage (aber nur 3 Nächte) frei haben.

Zum Glück ist zurzeit nicht so viel zu tun, so dass wir uns ganz gut abwechseln können. Ich möchte nicht wissen, wie das hier im Sommer zum Hochbetrieb läuft.

Auf dem Gelände befindet sich auch ein „Beauty Spa“, der von einer netten Schweizerin betrieben wird. Vielleicht werde ich einen Teil meines Gehalts in ein paar Massagen investieren – gebrauchen könnte ich es jedenfalls.

Ansonsten sind wir hier in der Nähe des Weinanbaugebietes Margaret River und da bietet sich eine Tour mit verschiedenen Wein- und Schokoladenproben natürlich an. Walter wird dann allerdings zu Hause bleiben; der hat noch genug von unserem letzten organisierten Ausflug in Darwin mit dem pausenlos redenden Tourguide…

In Kürze mehr....

Eintrag Nr. 10

Leaving Darwin

Ok,Ok ich muss es gestehen. Während der letzten Tage in Darwin habe ich doch noch die eine oder andere schöne Ecke gefunden, die ich euch nicht vorenthalten möchte. Sehr nett war zum Beispiel der Strand ein paar Straßen weiter. In Wasser konnte man natürlich auch hier nicht (denkt an die Krokodile), aber die Kokospalmen und vielfarbigen Felsen erweckten doch einen freundlichen Anblick.

Der wahrscheinlich beste und spannendste Ort in Darwin ist das Museum bzw. die Kunsthalle des Northern Territory. Diverse große Ausstellungen zeigen traditionelle sowie aktuelle Aboriginal Art. Am besten gefiel mir eine Arbeit im traditionellen Stil, die Zeit wie E.T. zurück nach Hause kehrt.

Außerdem wird die Tier und Pflanzenwelt vorgestellt inklusive Sweetheart, einem riesigen präparierten Krokodil und einer umfassenden Ausstellung zum Thema Zyklon Tracy, der Darwin in der 70er Jahren heimgesucht hat.

Mittwochmorgen war es dann soweit. Wir konnten Darwin verlassen. Ein Taxi holte uns morgens um sechs ab und es hieß goodbeye Coconut Grove. Das Einchecken am Flughafen ging diesmal problemlos und zügig, ich hatte gerade noch genug Zeit ein kleines Frühstück zu bestellen und dann konnten wir auch schon an Bord gehen. Das Flugzeug rollte langsam los, die Stewardessen vollzogen die Sicherheitsanimation und ich konnte es kaum erwarten abzuheben und Darwin hinter uns zu lassen. Es hätte so schnell gehen können, käme da nicht plötzlich die Durchsage vom Kapitän: Einem der Reisenden ginge es nicht gut und wir müssten zurück zum Terminal. So einfach wollte uns die Stadt anscheinend nicht loslassen. Eine halbe Stunde später rollten wir wieder zurück aufs Rollfeld. Die Stewardessen erklärten erneut, was im Falle eines Notfalls zu tun sei.

Und dann wiederholte sich die Durchsage des Captain’s: einem weiteren Passagier ging es nicht gut und wir müssten dann doch noch mal zurück zum Terminal. Es war einfach unglaublich. Zurück am Terminal bat die Stewardess dann darum, dass sich doch bitte alle melden sollten, denen es nicht so gut ginge, damit wir das Thema nun erledigt hätten. Nach dem dritten Auftritt Sicherheitschoreografie, bei dem wir alle mitmachen sollten, konnte die vierstündige Reise nach Perth endlich beginnen. Darwin hatte uns as seinen Klauen entlassen.

In Perth war alles wunderbar. Wir fuhren im Mietwagen nach Mandurah (50 Kilometer südlich von Perth) und waren in einem Wunderbaren Apartment mit Meerblick und Spa-Badewanne untergebracht. Wir verbrachten die nächsten zwei Tage mit Schwimmen im Pool und Spaziergängen durch das nette Städtchen. Falls jemand dorthin ziehen möchte: Es ist in den letzten Jahren unglaublich viel gebaut worden und überall stehen neue Apartmentwohnungen zum Verkauf. Seltsamerweise trübt das aber keinesfalls den Gesamteindruck eines netten Touristenortes mit interessanten Cafés und Restaurants direkt am Wasser.

Nun sind wir wieder in Perth. Hier haben wir ein nettes kleines Apartment. Zwar nicht mit Blick auf das Meer, aber auf den beheizten Pool. Wir haben einen Schlüssel für die Sauna und ich habe mir ein Tschechischlehrbuch gekauft. Ich würde sagen, ich fühle mich hier rundum wohl….

Eintrag Nr. 9

Darwin

Mal wieder ans Ende der Welt. Diesmal ans nördliche. Zumindest von Australien aus betrachtet. Darwin ist die größte Stadt im Northern Territory und hat angeblich 121.000 Einwohner. Die meisten scheinen aber in ihren klimatisierten Häusern zu bleiben, denn als wir zum ersten Mal die Innenstadt erkundeten, war alles wie leer gefegt. Im Hafen schwamm gerade mal ein Aborigine im Wasser, und dabei ist das der einzige Ort im Umkreis von 40 Kilometern, in dem man schwimmen kann. Es gibt zwar jede Menge Meer um Darwin und umzu, aber auch genauso viele Krokodile und sogar noch mehr tödliche Quallen.

Schön sind die Märkte am Wochenende. Dort gibt es jede Menge bunten Schmuck, Kunst, frisches Obst und Gemüse, asiatische Schnellküchen und Live Musik. Zusammen mit den Palmen und großen weißen Blütenbüschen hat das alles ein tropisches Flair. Das erste, was ich mir gekauft habe, sind leichte Sommerkleider, denn es ist heiß und schwül. Es regnet jeden Tag, und wenn es nicht regnet, tropft das Wasser von den Klimaanlagen aus den oberen Stockwerken herunter, so dass es so aussieht, als ob es regnet. Die Apartmentanlage, die Walter und ich managen, heißt Coconut Grove. Am Parkplatz und im Innenhof wachsen tatsächlich Palmen, aber das ist auch schon das malerischte an diesem Platz. Die 45 Apartments werden zwar nach und nach saniert, aber die Räume sind recht dunkel und nichts passt so recht zu dem anderen. Dafür wird auf Sicherheit großen wert gelegt. Niemand will rassistisch sein, aber die Aborigines, die in der Nachbarschaft wohnen, machen den Australiern Angst. Deshalb ist die gesamt Anlage Kameraüberwacht und durch einen hohen Zaun geschützt. Außerdem wird der Ausweis von jedem Gast kopiert und ein Schlüsselpfand von $ 50.00 erhoben. Bevor die Gäste abreisen, wird dann überprüft, ob nicht vielleicht jemand ein Kopfkissen eingesteckt hat.

Überhaupt sind die Regeln hier im Norden etwas anders. Wer Alkohol kaufen möchte, muss seinen Ausweis einscannen lassen. Und es gibt so etwas wie eine Blacklist, also etwa so wie ein Führerscheinentzug. Wer betrunken zu viel Ärger macht, darf keinen Alkohol mehr kaufen. Das gilt freilich nur für den Supermarkt. Im Pub gelten andere Regeln…

Unsere Apartmentanlage ist offiziell eine „Familien orientierte Ferienwohnungsanlage“, momentan ist jedoch das rote Kreuz unser bester Kunde. So wohnen hier ungefähr 60% iranische Flüchtlinge (von denen wir natürlich keinen Schlüsselpfand nehmen können) und 30% Aborigines, von denen dafür auch schon mal $200.00 Pfand genommen werden…

Der Besitzer ist Chinese und hat praktischerweise auch zwei Restaurants. So finden sich oft Takeaways vom Vortrag im Kühlschrank.

Montags und Dienstag haben wir frei. Um die Gegend besser kennen zu lernen (und unseren Kunden Empfehlungen auszusprechen) haben wir an einige Touristenattraktion besichtigt und an Touren teilgenommen. Attraktion sind hier wie erwähnt Krokodile, und so gibt es sowohl im Stadtzentrum als auch etwas außerhalb zwei Krokodilparks. In beiden können Krokodile mit angelartigen Vorrichtungen gefüttert werden und in der Crocosaurus Cove kann man sogar in einem Käfig auf Tauchtour mit den Viechern gehen.

Bei den Touren ist dann die Flussfahrt inklusive Krokodilfütterung ganz vorne und nach dem vierten Mal ist es irgendwie auch nicht mehr so spannend. Im Litchfield Nationalpark sind dann ausnahmsweise Krokodilfreie Wasserlöcher- und Fälle die Attraktion, weil man dann auch mal wieder schwimmen möchte. Ansonsten gibt es noch Termiten und Felsen…

Tja, also Alles in Allem wussten wir nach einer Woche, dass wir hier nicht bleiben wollen, und so gehen wir in Kürze zurück nach Perth…

Eintrag Nr. 8

Sydney in einem Van

Seit einigen Tagen erkunden wir Sydney in einem weißen Toyota Hiace Lieferwagen. Angefangen hat es mit einer Verzögerung. Walter wollte Montagmorgen den Wagen von der Autovermietung um die Ecke abholen, befand ihn  dann aber für zu dreckig und kehrte mit leeren Händen zurück. Kurzerhand buchte er einen Wagen Avis, musste aber zunächst einen Zahnarzttermin wahrnehmen. So hatte ich noch den ganzen Vormittag Zeit,  Postkarten nach Hause zu schreiben.

Gegen 13.00 Uhr stand Walter dann samt Lieferwagen vor der Tür. Der Toyota hat nur ein Fenster in der hinteren Tür, ansonsten ist er einfach  weiß ohne verräterische  Werbung und von Innen geräumig. Erster Stopp war bei einem Möbelhaus, wo wir eine Schaumstoffeinzelmatratze kauften. Kopfkissen, Decke und Laken  bekamen wir günstig bei Target in einem großen Einkaufspark. Dann fuhren wir nach Dee Why, wo wir die Bettwäsche in einem Waschsalon wuschen und trockneten. Damit war unsere Ausrüstung komplett, und der viele Platz im Wagen auf einmal gerade noch so ausreichend. Außerdem fing es an, in Strömen zu regnen, so dass wir unser Abendessen im Auto einnahmen, immerhin mit Meeresblick. Ärgerlich ist jedoch, dass sämtliche Strände mit Ticketautomaten bestückt sind, und man von morgens bis Abends zahlen soll. Ein Ticket kostet“ günstige“ vier Dollar pro Stunde und länger als drei Stunden darf man nur selten stehen bleiben. Auch in der Innenstadt und in Wohnstraßen darf man nirgendwo lange parken. Ich möchte wirklich mal wissen, wie lange es gedauert hat, die ganzen beschissenen Schilder aufzustellen. Wir parken jedenfalls immer schwarz.

ganz Oben: Unser Van

Oben : Trotz Schildern - Bandicoots hab ich nicht gesehen :-(

Am ersten Abend fuhren wir lange durch die Straßen einer Wohngegend, bis wir endlich einen geeigneten Platz für die Nacht fanden. Obwohl der Wagen wirklich nicht nach Camping aussah, war Walter doch sehr besorgt, dass sich Anwohner  gestört fühlen könnten.

Der gewählte Parkplatz stellte sich dann auch als etwas ungünstig heraus, da die Straße  abschüssig war und der Wagen leicht schief stand. Am nächsten ab 6.00 Uhr strömten Menschenmassen zum Strand, so dass es mit der Nachtruhe schnell vorbei war.

 

Dienstag

 

Nach dem Aufstehen fuhren wir zurück an den Strand von Dee Why, um dort zu duschen. Jeder Strand hat einen Rettungsschwimmer Club, in dem es auch Toiletten und Duschen gibt. Leider sind die Duschen kalt und in dem Häuschen in Dee Why krabbelten auch noch Tausendfüßler die Wände hoch. Das Shampoo ließ sich mit dem kalten Wasser auch nict so gut auswaschen. Alles in Allem also kein so guter Start in den Tag. Die nächste Station war Mosman, einer der reichsten Stadtteile in Sydney. Dort gingen wir in die örtliche Bücherei, um an unseren Laptops zu arbeiten. Es war etwas kühl, aber ansonsten sehr angenehm, und jeder hat seinen kleinen Arbeitsplatz. Zum Mittagessen gab es ein Stück Spinat und Ziegenkäsequiche vom nächsten Bäcker. Nachmittags verbrachten wir am am Balmoral Strand, wo ich an einem Tisch an meinem ersten Sydney-Balkon-Bild arbeitete. Walter kaufte Weißwein und Chips, wie zu guten alten Western Australia Party Zeiten. Dann klingelte plötzlich das Telefon, und Walter war mitten im Vorstellungsgespräch mit einem Hotelbesitzer in Darwin. „Where the fuck is Darwin?“ wollte ich wissen, nachdem Walter seinem Gesprächspartner lang und breit geschildert hatte, warum wir nun die perfekten Manager für das Hotel wären. Egal, ich hatte endlich mal wieder gemalt und war  mit der Welt ganz zufrieden. Abends fuhren an den kleinen Privatstrand von Billgola  und fanden einen sehr guten Platz zum Parken.

links: Immerin, ein totes Possum fand sic am Straßenrand.

Oben: Strandspaziergang nach Dee Why

Mittwoch

Der Mittwoch begann mit einem großen Problem: Walters Laptop wollte nicht hochfahren. Da er ohne Laptop keine zwei Stunden überstehen kann, musste das Problem schnellstens gelöst werden. Der erste Ansatz war zu schauen, ob vielleicht der Akku leer sei. So fuhren wir nach Avalon Beach, wo Baywatch gedreht worden ist und Walter zeigte mir das Rettungsschwimmerclubhaus, das für die Serie in tollen Blau- und Türkistönen bemalt worden war, nun aber sandfarben übergestrichen ist. Nach einer kurzen kalten Dusche gingen wir in den Ortskern in das nächste Café, das eine Steckdose hatte. Ans Stromnetz angeschlossen, fuhr der Rechner auch gleich hoch. Ich ging nach einer Kanne Tee und einer halben Rosinenschnecke erst mal den Ort erkunden. Walter hatte vorgeschlagen, dass wir eventuell ein paar Tage in dem Backpackerhostel verbringen könnten, doch es sah nicht sehr einladend aus. Der Ort erinnerte mich etwas an Western Australia: eine Hauptstraße mit Supermarkt und Bäckereien, eine Bibliothek und das war’s dann auch schon wieder. Nach einer halben Stunde konnte ich Walter davon überzeugen, in die Bücherei umzusiedeln. Dort konnte ich dann auch endlich zwei Malvorlagen ausdrucken.

Später ging ich alleine am Strand bis nach Dee Why spazieren, wo Walter mich dann wieder einsammelte. Nach einer weiteren kalten Dusche mit den Tausendfüßlern fuhren wir im Dunkeln an einen See und verbrachten dort die Nacht. Um 01.00 Uhr wachte ich davon auf, dass Walter den Wagen umparkte. Wir hätten direkt neben Mülltonnen geparkt, und die könnten ja in der Nacht geleert werden.

Donnerstag

 

Donnerstagmorgen war meine Laune auf einem Tiefpunkt. Um 6.00 Uhr hieß es plötzlich „Oh Shit, wir müssen weg hier“. Hinter dem Wagen begann eine Gymnastik Gruppe den Start in den Tag. Dass diese blöden Australier aber auch so verdammt sportlich sein mussten. Ich kletterte schlaftrunken nach vorne und wollte nur weiterschlafen. Walter „was willst Du jetzt machen? Wo sollen wir hingehen?“ trieb mich fast zur Weißglut. Ich blieb schlecht gelaunt, bis wir auf einem Parkplatz in einem Nationalpark ankamen. Von dort hatte man einen wunderschönen Blick auf den Sonnenaufgang über Sydney. Wir machten einen kurzen Spaziergang auf den Klippen und sahen riesige Spinnen in ihren Netzen.

Dann fuhren wir nach Manly. Dort gingen wir an einen kleinen ruhigen Strand und ich schwamm eine Runde in klarem ruhigem Meerwasser. Es schwammen sogar Fische herum, und das störte mich nicht weiter. Danach war ich glücklich, Walter zum Frühstück einzuladen und einen Muffin, Kakao und frischen Orangensaft in einem netten Café mit Meerblick zu genießen. Dann fühlte ich mich einigermaßen wieder wie ein Mensch.

An der großen Strandpromenade von Manly saß ich später an einem Tisch unter Bäumen und malte an einem Hinterglasbild. Zuerst war es zum Verrücktwerden, weil ich die Hälfte der Materialien im Auto vergessen hatte, und noch einmal zurückgehen musste. Dann stellte sich heraus, dass mein Lackstift nicht geeignet war. Zum Glück war die Hauptstraße mit Geschäften gleich um die Ecke, so dass ich einen besseren Stift kaufen konnte. Es war zwar immer noch windig und sonnig und voller Passanten, aber für zwei Stunden konnte ich konzentriert arbeiten.

Da Walter wieder in die Bibliothek wollte, streifte ich noch ein wenig durch Manly, wo gerade die Australien Open im Surfen stattfanden. Von der Sportlern konnte ich zwar nicht allzu viel sehen, aber es liefen jede menge interessanter Menschen am Strand auf und ab.

Nachmittags fuhren wir  in ein Einkaufszentrum, um unseren Van zu verbessern. Das große Rückfenster klebten wir mit schwarzem Karton zu und unter Matratze legten wir noch eine Yogamatte, um die Polsterung zu verbessern.

Abends parkten wir mitten in Mosman neben einem Spielplatz, tranken Sekt, und lauschten den letzten spielenden Kindern.

Oben: Mode in der Fußgängerzone von Sydney...

Unten: Und der Papst schaut fröhlich zu!

Freitag

 

Freitagmorgen fuhren wir wieder an den Balmoral Strand und gingen schwimmen. Dort ist ein kleiner Teil des Wassers durch einen Pier und Netze geschützt, so dass man praktisch ein Schwimmbecken im Meer hat. Leider schwamm auch viel Müll im Wasser, und ich spürte ein leichtes Brennen an mehreren Stellen meiner Haut, als ob das Wasser irgendwie leicht ätzend wäre. Es wird tatsächlich offiziell davor gewarnt, nach heftigem Regen Schwimmen zu gehen, da viele Abwasserkanäle direkt am Strand enden und der ganze Dreck von den Straßen dort angespült wird. Eine freudige Überraschung gab es dafür in der Dusche: Sie war heiß!!!

Endlich wieder warmes Wasser zum Haare waschen! Traumhaft!

Den weiteren Vormittag verbrachten wir wieder in der Bibliothek und ich fing an, an einer neuen Homepage zu arbeiten.

Nachmittags hingen wir am Strand von Mosman rum, und es begann allmählich langweilig zu werden. Ich las viel in meinem Buch. Als wir nach einer erneuten heißen Dusche zu unserem Parkplatz neben dem Spielplatz zurückfahren wollten, streiften wir ein parkendes Auto. Und das mit einem Mietwagen. So ein Mist! Zum Glück waren es nur ein paar kleine Schrammen, diese waren aber gut sichtbar.

Samstag

 

Samstag um 8.00 Uhr standen wir vor der nächsten Autowerkstatt und ließen den Schaden innerhalb von 15 Minuten beheben. Kostenpunkt: 30,00$. Mal schauen, ob wir damit durchkommen.

Ich fuhr mit dem Bus nach Sydney, um mir mal wieder etwas Kultur zu gönnen. Ich besuchte die Billich Galerie am Hafen, die über drei Stockwerke nur die Kunstwerke eines einzelnen Malers ausstellt. Aber sehr interessante Arbeiten. Die Werke von Ken Dome sehen dagegen aus wie Kinderkritzeleien, haben aber eine tolle Farbigkeit. Das Museum für Moderne Kunst war aufgrund von Renovierungsarbeiten geschlossen und so machte ich mic noch mal auf den Weg zur Kunstgalerie von New South Wales. Dort konzentrierte ich mich nur auf die beiden untersten Etagen mit zeitgenössischer europäischer und Australischer Kunst sowie Aboriginal und TorreStrait Kunst.

Um auch wirklich genug Kultur zu sehen besuchte ich nachmittags noch das Museum of Australia inklusive großer Aboriginal Art und Fotoausstellung. Sehr schön!

Dann spazierte ich fröhlich über die Harbour Bridge und dann noch ca. 2 Stunden zurück bis nach Mosman. An diesem Abend konnte ich gut schlafen.

Eintrag Nr. 7

Sydney

Sydney ist eine tolle Stadt. Nach drei Monaten in den Wäldern von Western Australia endlich wieder so etwas wie Kultur und Entertainment. Das Wetter ist deutlich kühler, manchmal regnerisch- eigentlich genau wie zu Hause. Schnell wird aus dem bedeckte Himmel jedoch ein strahlend-blauer, und so sollte man sich immer gut eincremen.

Wir wohnen zurzeit bei Walters Bruder in einem Reihenhaus in Bondi-Junction, in der Nähe vom berühmten Bondi Beach. Am ersten Tag bekam ich eine Stadtführung im Mietwagen. Erste Station Bondi Beach: regnerisch und menschenleer, ein hübscher Strand, aber den Hype darum kann ich nicht so ganz nachvollziehen. Schnell fuhren wir weiter durch die Hügel bis an die Klippen- ein atemberaubender Anblick. Dann eine ruhige Wiese mit einer einzelnen Bank und in der Ferne erhasche ich einen ersten Blick auf die Skyline mit Harbour Bridge und Opern Haus. So fahren wir in großen Schleifen immer dichter ans Zentrum heran. Walter hat viele Geschichten zu erzählen. Z.B. gibt es einen Pub, in dem sich früher alle Skiläufer nach der Saison getroffen haben und den teuersten Fish & Chip Shop weit und breit, von dem sich auch die Baywatch Crew während der Dreharbeiten hat beliefern lassen.

Oben: Bodi Beach

Rechts: Architektur an den Klippen

Unten: Eine Bank mit Aussicht

Im jüdischen Viertel finden wir einen kleinen Markt, auf dem frisches Olivenbrot verkauft wird. Immer wieder taucht das Panorama der Stadt auf, und dann sind wir plötzlich mitten in der Innenstadt am Kings Cross und parken vor einem großen Hotel. In der Straße dahinter besuchen wir Walters Freunde, die gerade ein Haus bauen. Der Rohbau ist fertig: drei Stockwerke aus grauem Beton mit riesigen Fensterfronten. Wir klettern bis auf das Dach und haben einen atemberaubenden Blick auf das Stadtzentrum.

Die nächsten Tage sind vom Sightseeing anderer Art geprägt: Wir sind auf der Suche nach einem Van/VW Bus und fahren von Gebrauchtwagenhändler zu Gebrauchtwagenhändler. Kilometerweit reiht sich eine Verkaufsfläche neben der anderen. Nur an Kundenparkplätze hat niemand gedacht, und das Überqueren der Straße gleicht russischem Roulette.

Trotz stundenlangem Suchen finden wir nichts Passendes.

Freitagabend gehen wir mit den bauenden Freunden in eine kleine Pizzeria. Das Essen ist fantastisch und die Preise im Vergleich zur Westküste herrlich günstig. Nur unterhalten kann man sich nicht. Jeder Stuhl in dem kleinen Raum ist besetzt und der Lärmpegel ist unglaublich hoch. So beenden wir den Abend relativ früh und fahren die zwei Haltestellen zurück „nach Hause“.

Der öffentliche Verkehr in Sydney ist gut ausgebaut, aber das Fahrkartensystem eine Katastrophe. Wenn man nicht gerade Rentner ist und für 2,50$ den ganzen Tag durch die Gegend fahren kann, hat man die Auswahl zwischen Bustickets, Bahntickets und Fährkarten. Diese sind wiederum eingeteilt in verschiedene Zonen, bei Bahntickets gibt es auch noch so genannte „Returntickets“ für Hin und Rückfahrt, aber nur nach 9.00 Uhr wochentags und am Wochenende.

Schnell wird mir das ganze zu bunt und ich kaufe mir ein Multiticket, damit kann ich nun alle Busse und Fähren, aber nur bestimmte Bahnstrecken nutzen. Preis: nicht so ganz  günstige 43,00$ für eine Woche.

In Sydney gibt es viele gute, auch deutsche, Bäckereien und Museen. Mit dem günstigen Ticket through Time kann man elf Museen innerhalb von drei Monaten besichtigen. Interessant sind u.A. das Barracks und das Susannah Place Museum, die dem Besucher einen guten Eindruck über das Leben in Sydney seit den ersten Siedlern vermitteln. Das Sydney Museum fand ich von der Sonderausstellung über die Entwicklung des Surfens nicht so gehaltvoll.

 

Auch Kunst gibt es reichlich. Im Kunstmuseum von New South Wales kann man sich kostenlos australische, asiatische und europäische Kunst anschauen. Zu empfehlen ist das Untergeschoss, in dem zeitgenössische Werke ausgestellt werden. Wer mag, kann sich auch für 20,00$ Eintritt die Sonderausstellung über Picasso anschauen.

Natürlich gibt es auch jede Menge kleinerer Galerien, hauptsächlich mit Aboriginal Art, z.T. auch Dependancen erfolgreicher deutscher oder amerikanischer Galerien. Sehr gut gefallen hat mir ein kleines Haus in „The Rocks“, in dem sich in jedem Zimmer wirklich gute Arbeiten an den Wänden stapelten…

 

Dies ist nur ein kleiner Überblick, weitere Museen und Kunsthäuser warten darauf erkundet zu werden, und das werde ich in den nächsten Wochen tun und davon berichten.

Eindrücke aus Sydney- Eine Stadt mit Kultur ;-)

Eintrag Nr. 6

Mein 30. Geburtstag - Teil 2

So fuhren wir weiter bis nach Denmark, nicht ohne den einen oder anderen Kommentar über mein beginnendes „alt sein“. Dann klingelte Walters iphone: schlechte Nachrichten aus den Staaten. Anscheinend würde der Filmdeal nun doch nicht zustande kommen. Ich hatte das Gefühl, dass mein geheimer Geburtstagswunsch in Erfüllung gegangen sei. In Denmark angekommen, hielten wir an einem Pavillon am Fluss und aßen ein einfaches Frühstück: Muffins und Milch. Um 7.00 Uhr morgens brachen wir zu einem kleinen Stadtspaziergang auf. Denmark ist wirklich ein hübsches kleines Touristenörtchen mit vielen Galerien, Cafés und kleinen Geschäften. Natürlich hatte noch nichts auf und so fuhren wir ein Stück weiter an den Fluss, um Paddelboard zu fahren.

 

Der Fluss mündete in einen riesigen See und hatte ordentlich Wellengang, so dass das Paddelboarden eine feucht-schaukelnde Angelegenheit wurde. Ich blieb nach der ersten Tour lieber näher am Ufer und beobachtete freilebende Pelikane. Um 8.00 Uhr waren wir zurück in der Stadt und Walter konnte (endlich) in ein Internet Café gehen um in die Staaten zu Mailen. Ich blieb im Auto sitzen und musste feststellen, dass es wohl ein sehr heißer Tag werden würde. Es war ein merkwürdiges Gefühl, wir hatten schon so viel erlebt und es war noch so früh am Morgen.

Die nächste Station hieß dann wieder Strand, wo ich mich dann endlich  voll in die Fluten stürzen konnte. Das Wasser war klar, der Sand war herrlich weiß und muschelfrei und der Bereich wurde auch überwacht. Schwimmen kann dort recht gefährlich sein, weil es starke Unterwasserströmungen gibt. So feierte ich meinen Geburtstag also tatsächlich am Strand.

Gegen halb elf fuhren wir wieder zurück in die Stadt. Walter ging noch mal Emails checken, ich durchforstete einen Secondhand Buchladen, fand aber nichts. Nach einem weiteren Spaziergang durch die Stadt inklusive Galeriebesuch, stellten wir beide fest, dass wir eigentlich keine große Lust hatten, noch den ganzen Tag in Denmark rumzuhängen, nur um eine weitere Nacht im Auto zu übernachten. So beschlossen wir, nach dem Lunch zurückzufahren. Walter hatte mir ein typisch australisches Mittagessen versprochen, was dann so aussah, dass ich im Auto sitzen bleiben sollte, während er um die Ecke verschwand und mit vier Tüten wieder kam. Dann setzten wir uns an den Fluss und aßen Lamm-Pies mit Ketchup und tranken Champagner aus Plastikbechern. Zum Nachtisch gab es Kuchen. Danach fuhren wir die 170 Kilometer zurück nach Stonebarn und schauten fern. Als kleines Highlight am Abend gab es noch eine Tiefkühlpizza von Dr. Oetker, die ich extra für diesen Anlass gekauft hatte und so ging ein langer schöner Geburtstag zu Ende…

 

Eintrag Nr. 5

Mein 30. Geburtstag - Teil 1

 

Ein 30. Geburtstag kann schon mal etwas ausgiebiger gefeiert werden und so brachen wir bereits am Feitag den 13. gegen Mittag auf. Davor war ich allerdings etwas genervt, weil Walter unbedingt alles alleine vorbereiten wollte und mich nicht mithelfen lies. So saß ich am Küchentisch, während er hinter mir herumwerkelte.

Nachdem wir sämtliche Rollos heruntergelassen und auch sonst aufgeräumt hatten, verließen wir Stonebarn. An der Hauptstraße bogen wir in eine andere Richtung ab als sonst, was mich überraschte. Ich war davon ausgegangen, dass wir an den Strand nach Windy Harbour fahren würden, der lag aber in die andere Richtung. Auf meine Frage, wo wir denn hinfahren würden, bekam ich nur ein lächelndes Schweigen.

70 Km weiter erreichten wir Wapole, ein kleines Örtchen an der Küste, das wie so viele nur aus einer Hauptstraße bestand. Wir hielten jedoch nicht an, sondern bogen hinter dem Ort in eine kleine Küstenstraße und kamen so ans Wasser. Zuerst war ich etwas enttäuscht, denn wir waren nicht am Meer mit richtigem Strand, sondern in einer kleinen Bucht, die eher wie ein großer See wirkte. Es war sehr windig und dementsprechend viel Wellengang. Schnell stellte sich heraus, dass Walter hier mit mir nur Station machen wollte um Paddelboard zu fahren. Dafür war es allerdings zu windig. So fuhren wir schnell weiter bzw. Noch mal kurz zurück um Supermarkt um Milch und Schinken zu kaufen. Dann spazierten wir noch zur Post und zur Touristeninfo, um eine Karte der Küste wischen Wapole und Denmark rauszuholen. In der nächsten Bucht gab es dann Lunch. Hier roch es schon mehr nach Meer und es gab viele Wasservögel. Da es auch hier sehr windig war, picknickten wir im Auto. Es gab Brot mit Käse, Tomaten und Schinken und um Nachtisch Schokolade. Chips bekomme ich keine mehr, weil ich mir beim Essen immer die Finger ablecke, was Walter überhaupt nicht mag :-)

Nach unserem Picknick fuhren wir langsam weiter in Richtung Denmark und hielten schon mal Ausschau nach einem möglichen Schlafplatz. Das war gar nicht so einfach, weil es überall Farmland mit riesengroßen Küchen und wenig Seitenstraßen gab. Aber auch mit Wäldern war es schwierig. Es gab das Valley of the Giants mit Treetop Walk, aber dort waren natürlich Touristen und eventuell auch Parkranger unterwegs. Weiter Richtung Denmark probierten wir dann eine Straße zur Küste hin, die einen Boat Harbour und Campingplatz auswies. Die Straße entpuppte sich als schwer befahrbar und wir wussten gleich, dass wir dort nicht bleiben würden. Der Campingplatz sah total heruntergekommen aus und von einem Hafen war auch nichts zu sehen. Dafür stand auf einer Wiese ein Kamel, auf einer weiteren grasten Alpakas und auf der nächsten machten Kängurus Liebe…

Endlich konnte ich auch ein Foto von einer echten australischen Schlange machen. Zum Glück aus der Sicherheit des Autos heraus.

Wenige Kilometer weiter hatten wir dann mehr Glück. Direkt von der Straße aus konnte man auf einen Felsen neben einen Fluss fahren. Die Szene wirkte sehr malerisch. Leider wohnte direkt gegenüber ein Farmer, und wir wussten nicht, ob das noch zu seinem Grundstück gehörte. Sicherlich hätten uns auch die Moskitos zu schaffen gemacht. Doch schon an der nächsten Seitenstraße fanden wir auf einem Hügel den nächsten geeigneten Platz. Wir fuhren erst mal weiter bis an den Strand. Auch hier gab es einen kleinen Campingplatz (mit Toiletten), der sich bei genauerer Betrachtung als ziemlich weitläufig und gut besucht entpuppte. Hier hätten wir sicher kein Auge zugetan, bei all den Kindern, die herumliefen und Erwachsenen, die sich um Lagerfeuer drängten. Wir wollten ja eh nur an den Strand. Der war unendlich lang und weiß. Es gab kaum Besucher, nur zwei oder drei Autos fuhren in weiter ferne durch den Sand. Wir machten einen gemütlichen Spaziergang und viele Fotos. Wir fanden einen angespülten Kugelfisch und Seetang, aber keine Muscheln.

Später zogen wir feste Schuhe an und kletterten über die Felsen. Dort gab es dann unglaublich viele Muscheln und Krebse und viel Gischt, die über die Felsen sprühte. Walter konnte es mal wieder nicht lassen und machte eine Fotosession daraus: bitte kletter doch noch mal da rauf. Und leg dich doch mal da auf den Stein, wie Jesus, und guck darüber… So verging der Nachmittag sehr schnell. Für Dinner fuhren wir dann auf den von uns entdeckten Hügel. Links am Horizont war das Meer, rechts und rundherum australischer Busch. Auf der nächsten Hügelkuppe stand eine Farm mit vielen Antennen. Eine Sternwarte? Das Militär? Oder einfach nur ein Bauer? Wir wussten es nicht. Wir stellten das Auto so hin, dass Der Kofferraum im Windschatten stand. So konnten wir auf der Ladefläche das zweite Picknick des Tages beginnen. Es gab, wie überraschend, Käse, Brot, Schinken, Tomaten und Rotwein. Und um Nachtisch einen Muffin.

Ein letztes Foto mit 29....

Gut gesättigt fuhren wir dann näher an die Farm heran, um festzustellen, worum es sich handelte. Ich hatte ja insgeheim Angst, dass es doch das Militär sein könnte, welches auf Besucher schlecht zu sprechen sein könnte. Aber ich lese einfach nur zu viele Thriller. Man kam gar nicht dicht an das Gelände heran sondern stand plötzlich vor einem Gatter mit dem Schild „zu verkaufen“. Da wir nun schon mal da waren und sonst niemand, parkten wir das Auto und bauten mit einem Bettlaken einen Mückenschutz, damit der Kofferraum aufbleiben konnte. Die Fressalien und sämtliches überflüssiges Gepäck stellen wir neben das Auto und hatten so ein gemütliches Einzelbett. Einige Mücken schafften es leider doch immer wieder, in den Innenraum zu gelangen und mich ordentlich zu stechen. Wir schliefen mit dem Sonnenuntergang ein und ich war überrascht wie ruhig alles war. In der Ferne hörte man das Meer rauschen und ab und zu einen Vogel rufen, zweimal hoppelten Kängurus am Auto vorbei, ansonsten herrliche Stille.

Am nächsten Morgen, meinem 30. Geburtstag, standen wir um 4.59 Uhr auf und sammelten schnell alle Sachen ein. Ein Mückenschwarm hatte nur darauf gewartet und stürmte das Auto. So mussten wir unterwegs mehrfach anhalten, um die Viecher zu killen. Wir fuhren auch nur ein kurzes Stück bis zur nächsten Bucht. Ein menschenleerer Parkplatz begrüßte uns. Wir gingen an den wunderschönen Strand und warteten, bis die Sonne über den Felsen aufging. Das besondere war, dass große runde Felsen den Strand vor den wilden Wellen des Ozeans schützten. So entsteht eine Art natürlicher Pool mit ruhigem Wasser. Dementsprechend heißt dieser Ort auch Greenpool. Da es noch sehr kalt war, gingen wir ein wenig am Strand spazieren. Nach und nach kamen immer mehr Rentner dazu. Als ich zurück zum Parkplatz ging, um mich umzuziehen, war dieser auf einmal voll von Autos. Richtig schwimmen war ich dann doch nicht. Es war einfach zu kalt.

Eintrag Nr. 4

 

Weihnachten in Australien

26 Grad, strahlend blauer Himmel und Kängurus auf der Wiese hinterm Haus. Der 24. Dezember begann, wie ein ganz normaler Tag; von weihnachtlicher Stimmung keine Spur. Um 9.00 Uhr wartete eine Horde Kinder auf mich zum morgendlichen Farmfeed. Das bedeutete, die Kaninchen aus dem Stall zu holen, und sie den Kindern auf den Schoß zu setzen. Wenigstens lagen an diesem Morgen keine toten Meerschweinchen im Käfig; das war doch schon fast wie Weihnachten. Nach dem „Mr Turtle“ betatschen und Hühner Füttern, ging ich mit der Horde Kindern zu den großen Tieren, damit auch die Schafe, Ziegen, Pferde und Kängurus ihr Frühstück bekamen.

 

 

Nun wollte ich zurück in unser Haus, um ein wenig zu dekorieren, als mich eine alte Dame vor ihrem Ferienhäuschen stoppte. Sie bräuchte mehr Decken. Hier sei es doch wesentlich kälter als in Perth, man bedenke es waren immerhin 26 Grad, und wenn ihre Enkel sie besuchen kämen bräuchte sie definitiv noch mehr Bettlaken und Decken.

Bettlaken gab es genug in unserem kleinen Lagerraum, aber Wolldecken waren nirgendwo aufzutreiben. Also bezog ich schnell noch zwei Bettdecken und brachte alles zurück zum Chalet, wettend, dass niemand diese warmen Sachen wirklich benutzen würde…

 

Zurück in unserem Häuschen stellte ich den kleinen Papptannenbaum auf, den ich gebastelt hatte. Mein Künstlerkollege Martin hatte mir viele Farbkopien seiner gemalten Nordmanntannen mitgegeben, und ich hatte eine davon zwei Tage zuvor mit –ebenfalls gemalten- Kerzen, Kugeln und Sternen festlich geschmückt. Einen Heidenspaß hatte es gemacht, Schneeflocken aus Papier auszuschneiden und sie über den Kamin zu hängen, einfach weil es so schön schwachsinnig war. Walter hatte von einigen Kindern ein bunt bemaltes Heiligenbildchen geschenkt bekommen, was ihm als eingefleischter Atheist besonders gut gefallen hat, und eine voll erblühte rote Rose aus dem Garten vervollständigte das kleine Ensemble.

Nun war es Zeit, das Essen vorzubereiten und das erste Glas Baileys zu trinken. Walter kam kurz darauf in die Küche gestolpert, um mit mir den ersten Sekt des Tages zu trinken, schwenkte dann aber auch auf den irischen Sahnelikör um. Lecker.

Zum Kochen brauchte ich mein Netbook, denn Mama hatte mir das Rezept für ihren Kartoffelsalat per Email geschickt. So kochte ich Eier und Kartoffeln auf unserem Gasherd und mischte Zitrone, Zucker und Mayonnaise. Beim Schlachter in Manjimup hatte es sogar genießbar aussehende Würste gegeben, und im Kühlschrank fand sich noch ein Glas polnischer Gurken aus Südaustralien. Das Mahl war perfekt!

Wenn nur nicht die Gäste wären… Mitten bei der zweiten Portion Kartoffelsalat standen plötzlich zwei Gäste vor der Tür und wollten einchecken. Weihnachten ist hier halt erst am 25. Dezember. Ich blieb sitzen und genoss ein Glas Champagner. Die Bescherung gab es dann relativ früh gegen 16.00 Uhr. Ich bekam einen Ipod mit kleiner Widmung auf der Rückseite und Walter freute sich über zwei CDs. Ja, Musik ist hier ein Thema und nach dem 25.000sten Mal kann ich auch Andrea Bocelli nicht mehr hören. Gesungen haben wir allerdings nicht und im Fernsehen lief absolut gar nichts! So ging der Abend zusammen mit dem Baileys- und Sektvorrat unerwartet früh zu Ende….

Eintrag Nr. 3

Donnerstag 08.12.11

 

Es regnet den ganzen Tag! Und es ist kalt. Alle meine drei Hosen sind in der Wäsche, so dass ich hier im Rock rumlaufe und mir den A… abfriere.

Dienstag war Nikolaus. Der ist hier allerdings unbekannt, und so staunte Walter nicht schlecht, als er am Dienstagmorgen um 5.00 Uhr Werther’s Echte und Schokoladenkuchen in seinen Schuhen entdeckte. Schokoweihnachtsmänner gibt es hier aus völlig unerklärlichen Gründen nicht. Osterhasen sehr wohl. Naja, so begann der Nikolaustag mit einer Runde Schwimmen im See. Zurzeit ist es hier eher ruhig, der große Weihnachtsandrang kommt wohl erst noch, und die Reinigungskräfte teilen die Schichten lieber unter sich auf, als mir welche aufzudrücken. Da ich trotzdem bezahlt werde, ist das auch gar nicht weiter schlimm und ich freue mich, jede Menge frei Zeit zu haben. Dadurch konnte ich schon so einige Skizzen kritzeln und einfach so vor mich hin kreativieren ohne Zwang und Nutzen.

Gestern konnte ich an der Donnelly River Flussfahrt teilnehmen. Um 13.20 Uhr holte mich ein Bus am Besucherzentrum in Pemberton ab. In der Broschüre hatte gestanden, man könne gerne eine Flasche Wein mitbringen. Diese hätte ich in der ersten halben Stunde auch sehr gerne dabei gehabt. Oder noch besser Baileys. Das Durchschnittsalter der Gäste lag bei 60,5 Jahren. Einzige Ausnahme waren der Busfahrer und eine asiatische Mutter mit ihrem Sohn. Ich erfuhr alles Wissenswerte über die hier heimischen Karri Bäume und Brandrodung im Nationalpark und so weiter und so weiter. Nach 30 Minuten erreichten wir den Anleger. Von einem Schiff war aber weit und breit nichts zu sehen. „Keine Sorge, das Boot liegt um die Ecke, ich bin damit in 10 Minuten hier und Sie können so lange von den Toiletten Gebrauch machen“, erklärte der Fahrer. Die Toiletten waren Plumpsklos mitten im Wald…

Auf dem Boot gab es Plätze für 31 Personen, diese waren aber nur zur Hälfte besetzt.

Das Schiff schipperte relativ schnell an unglaublich vielen toten, verbrannten Bäumen vorbei. Auf dem Boden wuchs allerdings saftig grünes Gras. Ich konnte gar nicht glauben, dass hier vor drei Wochen alles abgebrannt gewesen sein sollte. Angeblich wächst dieses Gras aber unglaublich schnell, und das Ökosystem ist auf Waldbrände eingestellt.

Ein paar Hütten aus den 30er Jahren gab es auch. Große Aufregung brach aus, als unser Kapitän einen riesigen Seeadler entdeckte und näher ans Ufer fuhr, damit alle einen guten Blick hatten.

Spektakulär wurde es, als wir den Strand erreichen. War das Flusswasser ruhig und beinahe violettblau, stürmte uns der Ozean in herrlichen türkisen Wellen entgegen. Das Boot hielt am Strand und wir konnten uns zwanzig Minuten die Beine vertreten. Der wolkenverhangene Himmel, das Meer und der Fluss strahlten in sämtlichen Blautönen um die Wette. Die Küste wirkte rau und erinnerte mich an Irland. Der Sand war weiß und fein. Muscheln gab es nicht, nur vereinzelte Sepiaschalen lagen verstreut herum.  Zurück im Boot gab es Tee und selbstgebackene Zimtmuffins. Die Rückfahrt verlief äußerst unterhaltsam und auch die Busfahrt gefiel mir besser, da sie schweigend vonstatten ging und der Fahrer eine wunderschöne Strecke entlang Avokadoplantagen und Weinbergen wählte.

 

Heute Abend arbeite ich zum ersten Mal im Pemberton Hotel. Mal schauen, wie das so wird…

Eintrag Nr. 2

Sonntag, 4.12. 11

 

Wow, ich kann kaum glauben, dass ich schon fast einen Monat hier bin.

Als wir Dienstag hier auf der Farm ankamen war das schon eine Umstellung. In Stonebarn war alles sehr luxuriös und angenehm. Hier wurde zwar der Teppich gereinigt, aber es roch immer noch leicht nach dem Hund vom vorherigen Verwalter, und es waren so gut wie keine Möbel da. Ich hatte immerhin ein recht bequemes Einzelbett, Walter hatte sich eine Doppelmatratze gekauft und schläft nebenan auf dem Fußboden. So ging es erst mal darum, Möbel zu organisieren. Praktischerweise konnten wir einiges von Stonebarn „ausleihen“. So kam Walter mit Tischen, Stühlen und einem Kühlschrank wieder, während ich erstmal sämtliche Oberflächen in der Küche abwischte. Und zwar mit antibakteriellen Tüchern – Igitt. Nett an Stonebarn war auch, dass ich mein eigenes Badezimmer gehabt hatte und Türen zum Abschließen, aber gut, man kann nicht alles haben. Dafür gibt es hier eine Schildkröte, Kaninchen, Meerschweinchen, Hühner, Schafe, Ziegen, Pferde und Kängurus. Eins davon ist zum Streicheln da, die Anderen hüpfen fröhlich durchs Gelände und über die Zäune. Die Architektur des Hauses ist äußerst eigenwillig, die Außenmauern sind aus unverputzten Lehmschichten (auch von Innen), ansonsten gibt es dünne Holzwände und ein Dach aus Wellblech- und überall gibt es kleine Fenster: so auch über meiner Tür und vom Abstellraum in die Küche und von der Küche zum Wohnzimmer.

Mittlerweile haben wir uns ganz gut eingerichtet und hatten viel Spaß beim befüllen der Beanbags. Einen Fernseher gab es immerhin.

Die Frauen, die hier regelmäßig arbeiten sind sehr nett. Lisa, die erste „richtige“ Australierin, die mir hier begegnet ist, zeigte mir den Hof und die Chalets. „Whirlpools wirst du hassen“ prophezeite sie, da die wohl aufwendig zu reinigen sind. Wenn unser Häuschen auch etwas vernachlässigt wirkt, die Chalets sind sehr sauber und gut in Schuss. Insgesamt gibt es neun, zwei davon mit Whirlpool und ein großes für bis zu zehn Personen. Allerdings stellte sich schnell heraus, dass jeder nur begrenztes Wissen über die nötigen Abläufe hat. So fanden wir erst am Freitag heraus, dass die Schildkröte einmal die Woche mit Garnelen gefüttert wird.

 Mein Job ist die öffentliche Tierfütterung am Morgen. Treffpunkt ist um 9.00 Uhr am Wäscheständer. Dann schnappe ich die Schildkröte und die Kinder dürfen sie anfassen. Sie hat einen sehr langen Hals, fühlt sich an wie eine eingelegte Gurke und hat leider auch einigermaßen scharfe Krallen. Die Riesenkrebse sind nur zum Angucken da. Dann bekommen die Kinder kleine Plastikschälchen mit Futter und dürfen ins Hühnergehege, um die Hennen, die Ente und das entlaufene Meerschweinchen zu füttern. Dann wird es schweißtreibend für mich, denn ich darf ein paar Kaninchen und Meerschweinchen einfangen, damit die Kinder sie streicheln können. Besonders die Meerschweinchen sind sehr flink und schwer zu fassen.

Nach den Kleintieren gehen wir zur Wiese. Dort werden dann die Pferde, Ziegen und das Känguru gefüttert. Heute habe ich gelernt, dass auch Schafe einen Hundeblick aufsetzen können…

Dann gibt es leider noch die Schaben, und nicht zu knapp. Habe gerade wieder eine erledigt!

Die Gäste sind sehr freundlich und international. Wir hatten sowohl Deutsche, als auch Slowenen aber auch viele Australier mit Familien hier. Und alle fragen immer, wo ich herkomme und wie es mir hier gefällt und sind sehr nett.

 

Donnerstag hatte ich frei und machte einen Spaziergang zu einer hiesigen Touristenattraktion, dem Gloucester Tree. Dieser Karri-Baum ist 61 Meter hoch und mit großen Eisenstäben versehen. Oben in der Krone gibt es einen Ausguck. Der Baum wurde und wird noch genutzt um nach Waldbränden Ausschau zu halten, und tatsächlich konnte ich von der Spitze aus eine große Qualmwolke sehen. Ob die nun ganz aus Margaret River kam, wo gerade große Brände wüten, kann ich nicht sagen.

Den Baum sollte man übrigens nur besteigen wenn man einigermaßen fit ist und keine Höhenangst hat, denn gesichert ist man nicht.

Danach machte ich mich auf den Weg zu den Wasserfällen, die ca. 6 Km weit weg sein sollten. Dummerweise ist as Gelände hier recht hügelig und 6 Km bergauf und recht ab bei 30° können recht anstrengend werden. Vor allem, wenn man nur eine halbe Literflasche Pepsi Light mit dabei hat. Die Wasserfälle waren dann nicht mal sehr spektakulär…

Als ich Stunden später völlig verschwitzt und entnervt zurück kam, sagte Walter mir, dass ich mich am besten gleich beim Pemberton Hotel vorstellen solle, da er mir dort einen Job organisiert habe. Tja, nun darf ich ab nächster Woche also auch kellnern, in der Küche und eventuell auch in der Bar arbeiten. Um den Tag sportlich abzuschließen fuhren wir dann noch an den nahe gelegenen See, um Paddelboard zu fahren und zu schwimmen. Der See ist ganz klar und ohne sichtbare Fische. Als wir heute Morgen um 6.00 Uhr da waren, war das Wasser sogar wärmer, als die Luft.

Also, mir gefällt es hier!

Eintrag Nr. 1

Frankfurt

Morgens um kurz nach neun gab ich Chris einen letzten Abschiedskurs und stieg in den Zug nach Frankfurt. Der Zug kam sogar pünktlich in Frankfurt an. Das Hostel sollte direkt auf der Südseite sein, durch den Ausgang und dann immer gerade aus. Ich fand die Basler Straße, die Züricher Straße- aber nicht die Karlsruher Straße. Die Leute, die ich nach dem Weg fragte, kannten sich auch alle nicht aus. Irgendwann fand ich dann den Hinterausgang vom Bahnhof und von da aus war es dann tatsächlich geradeaus. Das Hostel war klein aber OK. Der Empfangschef hatte mir schon mal das kleinere ruhigere Zimmer nach hinten raus reserviert.

Dann war erst mal eine Zoobesichtigung angesagt; ich sah sogar ein Filmteam fürs Fernsehen da rumlaufen. Außerdem gab es Glühwein, was bei den Temperaturen sehr sympathisch war...

Zurück im Zimmer hatte ich dann gleich Gelegenheit, meinen Jugendherbergsschlafsack auszuprobieren, denn die Bettwäsche hatte seltsame Flecken…

 

Mustertext

Der Flug

 

Der Weg zum Flughafen war kurz, nur etwa 15 Minuten mit dem Zug. Im Flughafen ging es dann mit einem Schuttle zu Terminal 2. Dort war der Malaysia Airlines Schalter leicht zu finden. „Wollen Sie einen Fensterplatz?“ „gerne“ Da wusste ich noch nicht, dass der Flug praktisch komplett im Dunkeln stattfinden würde und der Blick aus dem Fenster nicht so aufregend werden würde.

Erst mal standen wir noch eine gute Stunde auf dem Flughafen. Vom Losfahren bis zum eigentlichen Abheben dauerte es dann auch noch mal gut eine halbe Stunde. Unglaublich wie riesig das Rollfeld ist und mit welcher Präzision die Maschinen im Minutentakt abheben.

Ich hatte gehofft, im Flugzeug würde der neuste Twilight Film gezeigt werden, aber der kommt hier tatsächlich auch erst am Donnerstag raus. Bei Bedarf hätte man jedoch alle Harry Potterfilme nacheinander schauen können. An Essen und Getränken wurde nicht gespart. ES gab Hühnchen mit Reis und Gemüse, Süßigkeiten, Saft und Wasser soviel man wollte. Trotzdem war der Flug bis nach Kuala Lumpur sehr lang.

 

Kuala Lumpur

Palmen und furchtbare Toiletten- diese Dinge werden mir aus Kuala Lumpur in Erinnerung bleiben. Erstere sah man in kilometerweiten Anpflanzungen vom Flugzeug aus. ES war wie ein weites grünes Meer. Durch die Verspätung hatten wir nur eine Stunde Zeit, die Flieger zu wechseln. Ich lief der Gruppe hinterher, die ich als „Reisebine-Gruppe“ identifiziert hatte. Allesamt junge Deutsche, kurz nach dem Abitur. Ich lief mit ihnen durch einen begehbaren Djungel mitten auf dem Flughafen, aber als der eine Jüngling mich siezte, ging ich doch lieber eigene Wege. Um meine Leggins und ein paar Schichten Oberteile auszuziehen ging ich direkt zur Toilette- und sofort wieder hinaus. Was da hinter der ersten Tür gewartet hatte, war ein Loch im Boden, daneben hing ein Wasserschlauch, und der ganze Fußboden war feucht und dreckig. Solche Toiletten hatte ich früher höchstens mal als Kind in Südfrankreich zu sehen bekommen. Den Rucksack abzustellen oder sich gar umzuziehen war völlig unmöglich. Ein paar Türen weiter hinten gab es dann zum Glück auch normale Kloschüsseln, aber der Gesamteindruck war katastrophal.

Gott sei Dank ging es dann auch schon weiter- noch 5 Stunden Flugzeit bis Perth, diesmal im Hellen aber ohne Fensterplatz.

 

Perth

Das Flugzeug landete pünktlich um 15.00 Uhr Ortszeit. Dann gab es strenge Sicherheitskontrollen. Zuerst bildete sich eine lange Schlange vor der Passkontrolle. Die Leute reden hier generell viel mehr und so fragte auch der Zollbeamte gleich, ob ich zum ersten Mal in Australien wäre, Working Holiday machen würde und ob ich Freunde hier hätte.

Dann gab es die nächste Schlange vor dem Ausgang, vor der noch einmal das Gepäck durchleuchtet oder sonst wie kontrolliert würde. Mein Koffer wurde von einem Hund beschnüffelt, der sich viel mehr für den Koffer einer anderen Dame interessierte und davor sitzen blieb. Ich konnte weitergehen, die Dame musste noch da bleiben.

Am Bankautomaten kam dann der erste Schock, denn ich konnte mit meiner Deutschen Bank- karte kein Geld abheben. Dabei hatte ich das Konto dort doch nur deswegen eröffnet! Zum Glück hatte ich 50 € dabei, die ich am Schalter umtauschen konnte. Gegen 7 Dollar Gebühr wohlgemerkt.

Draußen war es längst nicht so warm, wie gedacht. Vielleicht 23 Grad und bedeckter Himmel. Es gab einen Bus- und einen Taxistand vor dem Ausgang. Der kostenlose Shuttle bis zum Inlandsflughafen fuhr erst um zwanzig nach fünf. Dort dauerte es noch mal gut zwanzig Minuten bis der Bus in die Innenstadt fuhr und von da aus waren es noch mal 45 Minuten mit dem Bus raus zum Cottesloe Beach. Ihr merkt es schon, Perth ist ziemlich groß und hat nicht nur 300.000 Einwohner, wie Chris mir vor dem Abflug einreden wollte. Dennoch war ich zufrieden: ich hatte schon mal die ganze Stadt gesehen und nur 7,20 Dollar für die Fahrt bezahlt statt 35 Dollar für das Shuttle oder gar 60 für ein Taxi. Ein Backpacker lebt ja schließlich sparsam.

Im Hostel konnte ich dann mit Kreditkartebezahlen inklusive 20 Dollar Pfand für den Schlüssel. Das Mädel von der Rezeption gab mir eine Ikea Plastik Box mit Bettwäsche und zeigte mir das Zimmer. „Oh Gott, das ist schlimmer als in Rom“ war mein erster Gedanke. „Ich will hier nicht bleiben“ der zweite. Sobald das Mädel zur Tür raus war kamen die ersten Tränen.

Freitag, 11.11.2011

„Ich will hier nicht bleiben“, war auch der erste Gedanke am nächsten morgen. Das ganze Jahr hatte ich gespart, geplant und organisiert. Ich war auf alles vorbereitet, nur nicht darauf, dass es mir nicht gefallen würde. Das Zimmer hatte hohe Decken, von denen langsam der Putz bröckelte. Ich hatte einen Schrank zum abschließen für die Wertsachen. Der Koffer stand neben dem Bett. Ich schlief oben im Hochbett und nahm alles was ich brauchte, mit Hinauf.  Abstellflächen gab es nicht, das vorhandene Regal quoll über von Gegenständen und ich fragte mich, wem das wohl alles gehören mochte, und ob die Leute hier seit Monaten wohnen würden. Ich hatte seit dem Flug nichts mehr gegessen und wollte mich nun auf den Weg zum nächsten Supermarkt machen. Dort fand ich einen Muffin zum Frühstück und kaufte erst mal Sonnencreme und Wasser. Mittags fuhr ich mit dem Bus nach Perth. Dort ging ich zur Westpack Bank in der Hoffnung, dass die mir wegen dem Kartenproblem weiterhelfen könnten. Sie waren sehr bemüht, konnten die Ursache aber nicht direkt finden und baten mich, später wiederzukommen, damit ich bei der Deutschen Bank anrufen könne.

Ich lief ein wenig durch die Stadt, kaufte mir gleich ein Wireless Lan Modem und betrachtete fasziniert die Weihnachtsdekoration. Später hielt ich weiterhin die Westpack-Angestellten in Atem, denn sie konnten trotz emsiger Bemühungen keine Möglichkeit finden, die deutsche Hotline zu erreichen. Hier muss man als Vorwahl für Auslandsgespräche übrigens 123 und nicht die 00 vorneweg wählen.

Da ich schon mal da war, eröffnete ich auch gleich ein bzw. drei Konten bei Westpack. Ein normales, ein e-saver Konto und ein Superkonto, auf das der zukünftige Arbeitgeben dann 9 %  zu meinem eventuellen Gehalt dazuzahlen kann.

Zurück im Hostel lagen dann noch zwei Telefonate mit Telstra zwischen mir und der Freischaltung des Modems – seit dem funktioniert es super.

Dann hörte ich, wie meine angeblich französische Zimmergenossin plötzlich auf deutsch mit ihrem Handy telefonierte. Sie erklärte, dass ihre Mutter Deutsche sei und dass sie sich gleich mit einem deutschen Kumpel in der Innenstadt treffen würde und lud mich ein, mitzukommen. Spontan sagte ich ja. Wir fuhren mit dem Zug nach Perth, was schneller geht, als mit dem Bus.

Dort gingen wir dann in den erstbesten Pub. Erica hatte ihren Pass vergessen und so war es fast ein wunder, dass wir dort überhaupt reinkamen. Die Türkontrollen sind sehr streng und ohne ID ist normalerweise nichts zu machen. Die Gäste waren alle extrem schick gestylt und ich kam mir in meinen Trekkinghosen und T-Shirt reichlich underdressed vor. Nach einem ersten unglaublich teuren Bier versuchten wir unser Glück noch in anderen Läden, aber es war nichts zu machen: ohne ID keinen Zutritt. So fanden wir uns auf ein paar Bier wieder im ersten Pub ein…

Samstag 12.11.2011

Die Nacht war kurz, ich konnte wieder nicht vor 4.00 Uhr morgens schlafen und ab 8.00 Uhr war es im Hostel wieder recht laut. Als erstes schrieb ich Claudia eine Email, wann sie mit ihrer Familie über Weihnachten nicht da wäre. Ich wollte maximal drei Wochen in Australien bleiben und dann noch ein bis zwei Wochen Urlaub in Neuseeland machen. Länger würde ich es hier einfach nicht aushalten. Wenn ich schon in Deutschland dachte, tiefe Augenringe zu bekommen, dann konnte ich hier feststellen, dass es noch viel schlimmer geht. Ich ging erst mal zum Strand, um dort auf und ab zu spazieren. Nach einiger Zeit ging es wieder einigermaßen. Ich fuhr dann nach Fremantle. Die Stadt ist viel kleiner als Perth und hat wirklich ein gewisses Flair. Es gab viele ältere Häuser mit schönen Holzveranden, einen großen Park, in dem es nach Wald duftete und ein Riesenrad, mit Ausblick über die Stadt und das Meer. Im Hafen gab es jede Menge Bars. Überall waren Menschen, die offensichtlich Spaß am Leben hatten. In den Bars hörte man überall Live-Musik und draußen machten sich die Möwen über die Fish & Chips Reste her.

Nach einem kurzen Abstecher in einen Vodafonshop, wo es ewig dauerte, bis ich meine neue SIM Karte bekam, ging ich noch in die Markthallen. Dort gab es Kunst und Kunsthandwerk, sowie jede Menge frisches Obst und Gemüse. Der großartigste Fund des Tages war eine große Tüte grüner Äpfel für 2 $.

Abends las ich dann, dass Claudia bereits am 09. Dezember nach Deutschland fliegen würde und dass ich jeder Zeit willkommen wäre. Ich schaute direkt nach, wann Quantasflüge von Perth nach Auckland starteten und verbrachte den Abend mit Grübeln, ob ich gleich Montag zum Reisebüro gehen sollte….

 

Sonntag, 13.11.11

Der Sonntag sollte zum Kunst- Tag werden. Leider sind die Australier sehr bestimmt in dem, was sie nicht wollen. Überall kleben Verbotsschilder. Z.B. war es nicht erlaubt, im Hostel an die Wände zu kleben. Ich nahm also Martins Tannenbäume mit zum Strand. Dort ließ ich Sie an der Küste stranden und an den Felsen wachsen. Ich lief immer weiter am Stand entlang und dann durch die Dünen (natürlich auf den Wegen), immer auf der Suche nach einem guten Motiv. Ein Stück weiter standen dann Hinweisschilder, dass in besagten Dünen eine der giftigsten Schlangen Australiens beheimatet ist. Gesehen habe ich sie zum Glück nicht. Es gab auch immer wieder Fahrradständer und Fahrradwege, und oft überholten fleißige Radler von hinten. Ich lief bis nach Nord-Fremantle und ging dann an den Straßen entlang zurück. In Mosman Park hätte ich gut den Kompass von Regina gebrauchen können, denn ich kam vom Weg ab und lief wohl einen riesengroßen Kreis. Dort standen schöne Villen und man hatte einen tollen Blick über den Yachthafen. Auch Tunnel aus dem zweiten Weltkrieg gab es zu Besichtigen, aber dafür war ich zu spät dran.

Im Hostel organisierte ich über das Internet einen Aufenthalt bei einer Gastfamilie für die Zeit nach der Hostelwoche.

Abends setzte ich mich mit unserer neuen englischen Zimmergenossin Sophie in den Aufenthaltsraum und lud viele Fotos auf Facebook hoch.

Montag, 14.11.11

Zeit für den Zoo. Ich liebe Zoos, keine Ahnung warum. Ich war schon in vielen verschiedenen Städten und Ländern in Zoos und fühle mich dort immer wohl. „Wenn ich hier arbeiten könnte, das wäre toll“, aber ich hatte schon im Vorfeld gelesen, dass der Zoo der viele Anfragen bekommen würde und offene Stellen nur über die Regierungsseite ausgeschrieben würden. Es lief allerdings sehr viel Personal dort herum und erklärte den Besuchern wissenswertes zu den Tieren, aber auch zu den exotischen Pflanzen, die dort überall wuchsen. Am ausgefallensten war der so genannte „Wurstbaum“, der große rote Blüten und noch größere „Früchte“ trug.

Schön war die Australienabteilung, in der es freiumherlaufende Kängurus und Wallabies gab. Im Nachthaus gab es zwar viele Tiere, die auch alle etwas Känguruartiges hatten, aber es war nicht so interessant, wie das Nachthaus im Frankfurter Zoo.

Abends kam ich kaum dazu, Fotos hochzuladen, weil in dem Aufenthaltszimmer so viele andere Backpacker waren und Gespräche anfingen. Ich schaffte es gerade noch, Claudia Bescheid zu geben, dass ich mit der endgültigen Entscheidung noch eine Woche warten wollte.

 

Dienstag, 15.11.11

Mittlerweile bereue ich es fast, Donnerstag hier weg zu müssen. So langsam fängt es an Spaß zu machen. Ich lerne Leute kennen, bin nicht mehr so müde, nur das Essen ist immer noch schlecht. Heute wollte ich ins Kunstmuseum aber es ist dienstags geschlossen. Die Alternative hieß Shoppen. Ich brauchte dringend schicke Schuhe um in Perth nicht wie der letzte Trampel rumzulaufen. Dazu kaufte ich noch ein nettes Strandkleid. Klamotten sind hier teilweise echt günstiger als in Deutschland. Bei MC Donald’s  kam ich mit einem Geschäftsmann ins Gespräch. Es ist hier ganz normal mit Wildfremden Gespräche anzufangen und eher unhöflich, sich schweigend gegenüberzusitzen. So gesehen ist es vielleicht doch ganz gut, ein paar Tage bei einer Gastfamilie zu wohnen und alles noch einmal in Ruhe Revue passieren lassen, denn hier kann schnell eine Dynamik aufkommen, dass man sich festquatscht und einfach nur treiben lässt. Im Aufenthaltsraum findet man immer ein paar bekannte und ein Paar neue Gesichter…

Aber zurück zum Tag: Nach dem Shoppen ging ich in den King’s Park. Das ist eine riesengroße Grünanlage auf einem Hügel in Perth. Dort gibt es einen botanischen Garten mit einem Rundgang, der Law Roundabout heißt. Man geht praktisch  um den Berg herum und hat einen tollen Ausblick auf den Swan River. Das Wasser blitzte tief blau hinter den Zweigen auf. Es hatte etwas sehr mediterranes. Der Rückweg war dann eher ein Trampelpfad ein paar Meter höher. Ich schaute immer links und rechts, ob da nicht gerade eine Schlange aus dem Gebüsch kriechen wollte. Später im Hostel erzählte mir ein Franzose, dass die meisten Unfälle eher dadurch zustande kommen, dass einem etwas auf den Kopf fällt, z.B. Würgeschlangen. Ich will ja auch nichts sagen, aber das letzte und bisher einzige Mal, wo mir eine Schlange begegnet ist, war an einem See in Südfrankreich…

Zurück im Hostel war ich total erschöpft vom vielen Laufen, aber wir hatten eine neue Mitbewohnerin bekommen. Sie kam aus Kassel. Wir gingen in dem Café an der Ecke ein Bier trinken. Das Café hat riesengroße Fenster und den direkten Blick auf den Strand und ist tagsüber immer proppenvoll. Dienstagabend war allerdings nichts los. So kamen wir mit der Bedienung ins Gespräch, die tada- auch aus Deutschland kam. Sie war seit 6 Monaten da und meinte, wir sollten unbedingt an die Ostküste fahren, falls uns hier die Decke auf den Kopf fallen würde.

 

Mittwoch, 16.11.11

Das erste Mal seit meiner Ankunft quälte ich mich gegen halb neun aus dem Bett und fuhr mit Sophie nach Fremantle. Dort besuchten wir das Gefängnis. Wir nahmen an einer Führung teil, die uns durch sämtliche Zellentrakte und Innenhöfe führte. Wir wurden eindrücklich davor gewarnt, nicht auf eigene Faust loszuziehen, da einige Besucher schon versehentlich in Zellen eingesperrt worden seien. Ob das stimmt, weiß ich nicht, wir wurden aber in regelmäßigen Abständen durchgezählt. Ich habe schon oft, mittelalterliche Gefängnisse besichtigt, aber dieses Gefängnis war noch bis 1991 in Betrieb. Und in den Zellen gab es bis dahin keine Toiletten, sondern nur Eimer. In den verschiedenen Trakten gab es die typischen Fangnetze, die Sprünge und Stürze verhindern sollen. Die Zellen waren winzig und sollen im Sommer unglaublich stickig gewesen seien. In einigen Zimmern gab es auch Kunstwerke zu bestaunen. Eines war gleich mit zwei Namen signiert: einmal dem vom Künstler selbst und einmal dem vom Zellennachbarn, der um jeden Preis (ggf. über Leichen) auch mit auf dem Bild verewigt sein wollte…

Es gab auch einen Pfahl zum Auspeitschen der Häftlinge sowie einen Galgen. Wir wurden inständig darum gebeten, unseren Hals nicht durch die Schlinge zu stecken, um ein Foto zu machen. Plötzlich kam ein Funkspruch, ob eine Miss Sowieso bei uns in der Gruppe wäre. Sie war und es war ihr ganz furchtbar peinlich, als sich herausstellte, dass ihr Mann sie mittlerweile suchen würde…

Die zweite Führung beschäftigte sich mit Ausbrüchen. Nur 7 Menschen sei es tatsächlich geglückt, auszubrechen, und das waren politische Gefangene, die später in Amerika große Karrieren gemacht haben.

Ein Trakt des Gefängnisses wird für die gemeinde verwendet: wer ein Unternehmen gründet und nicht das nötige Startkapital hat, kann sich eine Zelle als Büroraum mieten. Das ist kein Witz!

Außerdem gab es eine richtig gute Fotoausstellung von National Geographic in einem der Räume. Es waren sehr eindrucksvolle Portraits und das beste was ich bisher an australischer Kunst gesehen habe.

Abends wussten Sophie und ich nicht so richtig etwas mit uns anzufangen. Spontan bestellten wir mir eine Kinokarte für die „Twilight“ Vorstellung, die sie am Freitag in Innaloo besuchen wollte und beschlossen, am Samstag gemeinsam in einen Tierpark zu fahren. Um 18.00 Uhr gab es kostenlose Würstchen und Salat im Hostel, danach schauten wir noch fern. Was hier im Fernsehen läuft, ist grausam. Es gibt nur Talkshows und Prominews, ansonsten auch Serien wie Glee, Ermergency Room und CSI, normale Spielfilme suchten wir vergeblich. So gingen wir bald aufs Zimmer, lasen unsere Bücher und quatschten mit den Mitbewohnerinnen.

 

Donnerstag, 17.11.11

 

Nun bin ich tatsächlich schon eine Woche hier und habe mich akklimatisiert. Um 11.00 checkte ich aus dem Hostel aus und machte mich auf den langen Weg nach Joodalup. Im Zug rief mich Gastmutter Sandi an, um zu sagen, dass sie mich vom Bahnhof abholen würde. Sandi ist sehr nett und kommt gebürtig aus London. Sie hat drei Kinder, einen Hund, vier Katzen, 5 Hühner und in der Garage wohnen noch 4 Mäuse. Das Haus ist wie ein Bungalow mit sehr vielen Zimmern. Draußen gibt es einen kleinen Rosengarten. Ich habe hier ein ruhiges Zimmer mit eigenem Bett, Schrank und Schreibtisch- genau wie ich gehofft hatte. Sandi will sogar meine Wäsche waschen… so ein Luxus und günstiger als im Hostel ist es auch, denn ich bekomme hier  Frühstück und warmes Abendessen. Heute gab es Spaghetti mit riesengroßen Fleischklößen und Knoblauchbrot. Ich platze aus allen Nähten, denn das war die erste richtige Mahlzeit seit 1,5 Wochen. Chris würde mich jetzt dank der Knoblauchfahne aus dem Zimmer verbannen.

Leider sind wir hier total weit draußen. Ich hoffe, bis Ende nächster Woche einen Job in der Stadt zu finden, dann suche ich mir da eine WG oder Privatzimmer…

Es tut sehr gut, einfach mal etwas Ruhe und Privatsphäre zu haben, Tagebuch zu schreiben und mich auf die Bewerbungen vorzubereiten. Gute Nacht.


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